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Die Aussichten am globalen Milchmarkt haben sich deutlich eingetrübt. Gründe dafür sind ein weltweiter Produktionsschub und eine sich abschwächende Nachfrage aus China, wie die National Australia Bank (NAB) in einer Analyse mitteilte. Der Rückgang der globalen Milchpreise hat sich demnach beschleunigt. Der gewichtete Durchschnittspreis des Instituts fiel im April um 4,6 Prozent gegenüber dem Vormonat, bevor er im Mai auf ein Niveau abrutschte, das zuletzt Ende 2009 gemessen wurde, wie Michael Creed, Agrar-Volkswirtschafter der NAB, gegenüber Dow Jones News erläutert.
Mittel- und langfristig seien die Marktaussichten in diesem Bereich aber durchaus positiv, betonen Analysten. Bis Jahresende könnten sich die Milchpreise wieder stabilisieren.
Die sinkenden Erzeugermilchpreise kommen auch in der jüngsten Preisstatistik der niederländischen Landwirte-Organisation LTO zum Ausdruck. Demnach zahlten die führenden Molkereien der EU im April 2012 mit durchschnittlich 32,18 Cent netto je kg um 1,5 Cent weniger als im Vormonat März.
Der Rückgang der internationalen Erzeugermilchpreise sei die Kehrseite einer "massiven Produktionsausweitung", betonen die NAB-Experten. Es hätten alle großen Milchexporteure ihre Erzeugung erhöht, ohne dass in absehbarer Zeit Angebotsausfälle oder -engpässe abzusehen wären.
Mittel- und langfristig steigende Preise erwartet
"Wir gehen auf kurze Sicht von weiterem Druck auf die Preise aus", betont Creed. Bis Ende des Jahres würden sich die globalen Milchpreise jedoch wieder stabilisieren. Das abgeschwächte Wirtschaftswachstum Chinas mache sich im Konsum vor allem bei hochproteinhaltigen Nahrungsmitteln bemerkbar.
Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch der Aufsichtsratsvorsitzende der neuseeländischen Molkereigenossenschaft Fonterra, Henry van der Heyden, in einem Interview mit Dow Jones News. Seiner Einschätzung zufolge werden die globalen Milchpreise auf kurze Sicht volatil bleiben. Mittel- bis langfristig werde aber die Nachfrage - vor allem aus Asien - für steigende Milchpreise sorgen. "Es ist schwer vorherzusagen, aber die Fundamentalfaktoren sehen gesund aus", so van der Heyden.
Der Fonterra-Aufsichtsratschef betonte, dass aus seiner Sicht kein Rückgang bei der Nachfrage festzustellen sei und vor allem das Geschäft mit China "prächtig wächst".
Die Lage am Milchmarkt wird sich auch nach Ansicht des Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverbandes (WLV) wieder entspannen. Die Talsohle der fallenden Preise sei durchschritten, von einer Wiederholung der sehr schlechten Marktsituation von 2009 könne keine Rede sein, betont WLV-Vizepräsident Wilhelm Brüggemeier. Die aktuelle Situation sei nicht durch einen Nachfragerückgang entstanden, sondern durch eine Zunahme des weltweiten Milchaufkommens, stellt er fest. Da in den kommenden Wochen das Milchangebot saisonal bedingt voraussichtlich sinken werde, könnten die Landwirte mit einer Entspannung am Markt rechnen, meint Brüggemeier. (aiz)